1. Den zu berechnenden Betriebsfall festlegen
Notieren Sie zuerst den vorgesehenen Lagerzustand und die zusätzliche Abkühlaufgabe. Welche Waren kommen wann, in welcher Menge und mit welcher Temperatur an? Unterscheiden Sie den gesamten Lagerbestand von der neu eingebrachten Tagesmenge und der größten Einzelcharge. Bereits temperierte Bestandsware darf nicht täglich erneut als vollständig abzukühlende Lieferung gerechnet werden. Produktspezifische Zusatzlasten, etwa Atmungswärme, sind gegebenenfalls gesondert zu erfassen.
Beschreiben Sie anschließend einen normalen Arbeitstag und einen tatsächlich möglichen kritischen Tag. Fallen große Anlieferung, viel Türverkehr und hohe Umgebungstemperatur zusammen? Halten Sie Uhrzeiten und Überschneidungen fest. Drei Schätzungen aus unterschiedlichen Situationen ergeben noch keinen nachvollziehbaren Auslegungsfall. Kennzeichnen Sie für jede Eingabe, ob sie gemessen, aus Unterlagen übernommen oder vorläufig angenommen wurde.
Ein einzelner Messwert am ruhigen Vormittag beschreibt nicht automatisch den Betrieb bei voller Anlieferung. Notieren Sie zu Temperaturwerten deshalb Zeitpunkt, Messstelle und Betriebszustand. Bei schwankenden Warenmengen sind Aufzeichnungen mehrerer typischer Betriebstage hilfreicher als eine unkommentierte Durchschnittsmenge. Besondere Liefertage sollten dabei als eigene Situation erkennbar bleiben.
Die Wahl zwischen Normal- und Tiefkühlung behandelt unser eigener Begriffsratgeber. Hier geht es um die Rechengrundlage einer bereits beschriebenen Kühlaufgabe; Baukörper, Montage und allgemeine Anordnung vertieft der bestehende Kühlraum-Planungsratgeber.
2. Die Lasten getrennt aufschreiben
Eine prüfbare Lastaufstellung zeigt für jede Wärmequelle den Ansatz und ihre zeitliche Wirkung. Die FAO führt in ihrer technischen Darstellung zur Kühllast getrennte Beiträge für Gebäudehülle, Luftwechsel, Ware, Beleuchtung, Personen, Ventilatoren und Abtauung auf. Für das eigene Projekt werden diese Kategorien mit aktuellen Betriebsdaten gefüllt; historische Beispielzahlen sind keine Vorgaben.
Bei der Hülle werden Wand, Decke und Boden nach Fläche, Aufbau und angrenzenden Temperaturen betrachtet. Für eine vereinfachte stationäre Abschätzung gilt: Wärmestrom in Watt = U-Wert in W/(m²·K) × Fläche in m² × Temperaturdifferenz in K. Unterschiedliche angrenzende Räume benötigen getrennte Ansätze. Wärmebrücken, Undichtheiten und gegebenenfalls Sonneneinwirkung bleiben zusätzlich zu prüfen.
Für Türlasten zählen Öffnungsgröße, Häufigkeit, Dauer und der Zustand der angrenzenden Luft. Warme, feuchte Luft verursacht beim Abkühlen und gegebenenfalls Entfeuchten Last. Eine bloße Anzahl von Öffnungen ersetzt deshalb keine Einschätzung des Luftaustauschs. Vorraum und tatsächlicher Arbeitsablauf gehören in die Datenaufnahme.
Führen Sie dafür ein Arbeitsblatt mit den Spalten Wärmequelle, Eingabewert, Einheit, Herkunft und Zeitbezug. Ergänzen Sie eine Ergebnisspalte für kW oder kWh mit eindeutigem Bezugszeitraum. So lässt sich später erkennen, ob beispielsweise eine Lampenleistung für die tatsächliche Einschaltdauer gerechnet wurde oder versehentlich für den ganzen Tag. Offene Positionen bleiben sichtbar, auch wenn andere Teilrechnungen bereits fertig sind.
- Warenlast: neu eingebrachte Masse, Temperaturänderung und passende Stoffdaten; Verpackungen und Behälter separat berücksichtigen.
- Interne Lasten: Personen, Licht, Ventilatormotoren und weitere Geräte mit ihrer Betriebsdauer erfassen.
- Abtauung: wirksamen Wärmeeintrag, Ablauf und Zeiten ohne verfügbare Kühlung im gewählten Anlagenkonzept zuordnen.
- Zusatzlasten: beispielsweise Produktatmung oder eingebrachte warme Hilfsmittel nur dort ansetzen, wo sie tatsächlich auftreten.
3. kWh, kW Kälteleistung und elektrische Aufnahme unterscheiden
Eine Wärmemenge beschreibt Energie über einen Zeitraum. Wird sie in Kilowattstunden angegeben, sollte die Rechnung ausdrücklich „kWh thermisch“ nennen. Leistung beschreibt dagegen die Geschwindigkeit der Wärmeabfuhr: Ein Kilowatt Kälteleistung führt bei konstantem Betrieb innerhalb einer Stunde eine Kilowattstunde Wärme ab.
Die elektrische Aufnahme der Anlage ist eine andere Größe. Sie versorgt Verdichter und je nach betrachteter Systemgrenze weitere Verbraucher. Aus einer thermischen Warenlast lässt sich deshalb weder die elektrische Anschlussleistung noch der Tagesstromverbrauch direkt ablesen. Dafür werden Leistungsdaten und Betriebsverlauf benötigt. Lassen Sie im Angebot Kälteleistung, elektrische Aufnahme und berechnete Energiemengen getrennt ausweisen; auch der Umfang mitgerechneter Hilfsverbraucher muss erkennbar sein.
4. Rechenbeispiel: ausschließlich die Warenwärme
Das folgende Beispiel ist rein hypothetisch: Eine Charge umfasst 500 kg. Ihre spezifische Wärmekapazität wird ausschließlich für diese Rechnung mit konstant 3,7 kJ/(kg·K) angenommen. Die Temperaturdifferenz beträgt 8 K. Im gesamten betrachteten Bereich findet kein Gefrieren oder anderer Phasenwechsel statt. Der Stoffwert ist keiner bestimmten Ware zugeordnet und muss für ein reales Produkt geprüft werden.
Die fühlbare Wärmemenge lautet Q = m × c × ΔT. Eingesetzt ergibt sich: 500 kg × 3,7 kJ/(kg·K) × 8 K = 14.800 kJ. Da 1 kWh = 3.600 kJ ist, sind das 14.800 ÷ 3.600 = rund 4,11 kWh thermisch.
Wird für die Betrachtung ein Zeitfenster von vier Stunden angenommen, ergibt sich als mittlere reine Warenlast: 4,11 kWh ÷ 4 h = rund 1,03 kW. Verpackung, Behälter, Hülle, Türluft und sämtliche weiteren Lasten sind in diesem Ergebnis noch nicht enthalten.
Diese Rechnung ist keine Anlagenempfehlung und keine Freigabe einer Lebensmitteltemperatur oder Abkühlzeit. Sie sagt insbesondere nicht zu, dass eine gewünschte Kerntemperatur nach vier Stunden erreicht wird. Produktform, Verpackung, Stapelung, Luftbewegung und Wärmeübergang beeinflussen den tatsächlichen Verlauf. Beim Gefrieren wäre eine zusätzliche Betrachtung des Phasenwechsels erforderlich.
5. Tagesbilanz und Abkühlfenster getrennt prüfen
Dieselben 4,11 kWh ergäben über 24 Stunden verteilt nur rund 0,17 kW. Dieser Tagesmittelwert beschreibt nicht die im Beispiel angenommene Abkühlaufgabe innerhalb von vier Stunden. Eine Tagesbilanz kann rechnerisch ausgeglichen sein, obwohl während einer Anlieferphase zu wenig Leistung zur Verfügung steht.
Für die Gesamtbilanz werden alle Lastanteile auf eine gemeinsame Zeitbasis gebracht. Eine Leistung in kW darf nicht unmittelbar zu einer Energiemenge in kWh addiert werden. Dauerhafte und zeitweise Lasten erhalten jeweils ihre zutreffende Dauer. Danach wird geprüft, welche Kühlzeiten im konkreten Betrieb verfügbar sind und welche Lasten innerhalb kritischer Zeitfenster gleichzeitig auftreten.
Die Danfoss-Berechnungsunterlage berücksichtigt die tägliche Kühlzeit sowie Abtauung und Anlagenbedingungen gesondert. Daraus folgt keine allgemeingültige Zahl an Betriebsstunden für jeden Kühlraum. Bestehen mehrere Chargen oder wechselnde Betriebsphasen, gehört deren zeitliche Folge in die Auslegung. Reserven und Unterbrechungen müssen nachvollziehbar begründet sein, statt dieselbe Unsicherheit an mehreren Stellen durch Zuschläge zu zählen.
6. Die Leistung am vorgesehenen Betriebspunkt verlangen
Nach der Lastberechnung wird die verfügbare Kälteleistung unter den vorgesehenen Bedingungen geprüft. Danfoss nennt dafür unter anderem Zieltemperatur, Umgebung, Abkühlanforderung und das Zusammenspiel der Komponenten. Eine Leistungsangabe ohne zugehörige Bedingungen reicht für einen Angebotsvergleich nicht.
Lassen Sie Kältemittel, Verdampfungsbedingungen, Wärmeabgabe beziehungsweise Verflüssigungsbedingungen und die gewählte Verdampferauslegung dokumentieren. Raumlufttemperatur und Verdampfungstemperatur sind unterschiedliche Angaben. Auch ein warmer Aufstellort der Verflüssigereinheit muss im Leistungsnachweis berücksichtigt werden. Das Angebot sollte erkennen lassen, welche Leistung für den vereinbarten Betriebsfall verfügbar ist und wie geringere Lasten im Alltag abgedeckt werden.
7. Ausfüllbare Datenliste für die Angebotsanfrage
Kopieren Sie die folgende Liste in Ihre Anfrage und ergänzen Sie Werte samt Einheit. Schreiben Sie bei unbekannten Angaben „offen“, statt einen vermeintlich typischen Wert einzusetzen. Eine Skizze, Anlieferprotokolle und vorhandene Messaufzeichnungen helfen, offene Punkte gezielt zu klären.
Bitten Sie zum Angebot um eine Zusammenstellung der verwendeten Eingaben und Teilresultate. Daraus sollte hervorgehen, welche Angaben bestätigt sind und welche vor einer endgültigen Auswahl noch geprüft werden müssen. Wenn sich Menge oder Anlieferzeit später ändern, lässt sich diese Grundlage gezielt aktualisieren. Ein einzelner Kilowattwert ohne Berechnungsannahmen bietet diese Möglichkeit nicht.
- Betrieb und Standort: ____; Ansprechpartner für die Betriebsdaten: ____.
- Kühlaufgabe und Produkt: ____; zulässiger Produktbereich samt Herkunft der Vorgabe: ____.
- Raum-Innenmaße: ____ m; Wand-, Decken- und Bodenaufbau beziehungsweise Unterlagen: ____.
- Angrenzende Bereiche und Temperaturen: ____; Wärmeabgabe/Aufstellort: ____.
- Gesamtbestand: ____ kg; neue Tagesmenge: ____ kg; größte Einzelcharge: ____ kg.
- Produkttemperatur beim Einbringen: ____ °C; geforderter Endzustand: ____; begründetes Zeitfenster: ____ h.
- Verpackung, Behälter, Paletten und Anordnung: ____; verfügbare Stoffdaten: ____.
- Anlieferzeiten und Überschneidungen: ____; Türgröße: ____; Öffnungsdauer und Häufigkeit: ____.
- Personen, Beleuchtung und Geräte: ____; jeweilige Leistung beziehungsweise Nutzung und Dauer: ____.
- Geplante Betriebs-, Reinigungs- und Abtauphasen: ____; vorhandene Anlage und Messdaten: ____.
- Datenstand und Herkunft: ____; offene Annahmen: ____; erwartete Nutzungsänderungen: ____.
Quellen und weiterführende Informationen
Kühllastberechnung mit Betriebsdaten vorbereiten
Senden Sie Ihre ausgefüllte Datenliste und vorhandene Unterlagen. Klima-Zentrum unterstützt Betriebe in Österreich bei der Planung von Gewerbekälte und Kälteanlagen.
Kühlraum-Anfrage sendenHäufige Fragen
Reichen Raumvolumen und eine Watt-pro-Kubikmeter-Zahl für die Kühllastberechnung?
Für eine nachvollziehbare Auslegung nicht. Warenmenge, Einbringtemperatur, Hülle, Türen, interne Wärmequellen und Zeitabläufe müssen zum konkreten Betriebsfall passen.
Sind 4,11 kWh Warenwärme dasselbe wie 4,11 kWh Stromverbrauch?
Nein. Das Beispiel beschreibt thermische Energie, die aus der Ware abgeführt werden soll. Der elektrische Verbrauch hängt von Anlage, Betriebspunkt, Laufzeit und betrachteten Hilfsverbrauchern ab.
Bedeutet das Rechenergebnis von 1,03 kW, dass ein entsprechend großes Aggregat genügt?
Nein. Es ist nur die mittlere Warenlast des hypothetischen Beispiels über vier Stunden. Alle weiteren Lasten fehlen; außerdem müssen Wärmeübergang, Zeitverlauf und verfügbare Anlagenleistung geprüft werden.
Welche Daten helfen bei einer ersten Angebotsanfrage am meisten?
Warenart, neue Tagesmenge, größte Charge, Einbringtemperatur, geforderter Endzustand, Zeitfenster und Türnutzung machen die Aufgabe nachvollziehbar. Raum- und Anlagendaten ergänzen diese Angaben.
